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Technisches Hilfswerk (THW) OV Neuburg
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Gasexplosion: Baufachberaterteam im Einsatz

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Gegen 4.20 Uhr am 7. Dezember wurde unser Baufachberaterteam aus dem Schlaf gerissen, bereits die Alarmmeldung:

Baufachberater THW Neuburg, Ingolstadt Samberger Str. 27, Wohnhausbrand nach Explosion“

war für die drei alarmierten Kräfte ein Anzeichen für einen anscheinend schwierigen Einsatz.


Nach Ankunft im Unterkunftsgebäude des OV wurde das Fahrzeug vorbereitet und die Meldung

an die Integrierte Leitstelle Ingolstadt (ILS) „Heros Neuburg 21/10 unterwegs zur Einsatzstelle“ abgegeben.

Um 5.05 Uhr traf das Team am Einsatzort ein und meldete sich einsatzklar bei der örtlichen Einsatzleitung der Berufsfeuerwehr Ingolstadt.

Ein Bild des Schreckens und der Verwüstung bot sich dem Team, als es sich einen ersten Eindruck über die Lage machte.Dicke Rauchschwaden, immer wieder auflodernde Flammen sowie ein Trümmerfeld rings um das Gebäude erschwerten die Lageerkundung hinsichtlich der Standsicherheit beziehungsweise Einsturzgefahr des Gebäudes.


Es war relativ schnell klar, dass die noch verbliebenen, wenigen Gebäudeteile akut einsturzgefährdet waren und ein Begehen und Erkunden durch Personen nicht möglich war.

Unser Baufachberater ordnete eine Sperrzone für Begehen durch Rettungskräfte im Umfeld des einsturzgefährdeten Restgebäudes mit einem Abstand von der doppelten Gebäudehöhe an.

Zur ersten Lagebesprechung um 6 Uhr gemeinsam mit Berufsfeuerwehr Ingolstadt, THW Ingolstadt, BRK, Rettungshundestaffel, sowie OrgEL Rettungsdienst sowie Vertretern der Polizeiinspektion Ingolstadt, der Kriminalpolizei Ingolstadt und Vertretern der

Stadt Ingolstadt und den Stadtwerken Ingolstadt, wurde klar, dass sich mindestens eine Person innerhalb des Gebäudes aufgehalten haben soll.


Diese Vermutung wurde durch die Rettungshundestaffel während der vorangegangen Trümmersuche bestätigt. Alle waren sich einig, dass sich die Suche nach dem Vermissten als sehr schwierig erweisen würde und dies mit allergrößter Vorsicht durchgeführt werden muss.

Als Vorbereitung für das schichtweise Abtragen des Trümmerfeldes auf dem Gebäude wurde im Bereich der Straße sowie im Vorgartenbereich des Grundstücks durch das THW Ingolstadt mit schwerem Bergeräumgerät unter ständiger Aufsicht unseres Teams begonnen, einen Zugang zum Grundstück zu schaffen.


Derweilen wurde durch die Einsatzleitung des Weiteren ein Abbruchunternehmen mit Mobilbagger und Sortiergreifer, sowie Einreißhaken und zwei Lastwagen geordert, welche bis spätestens 8.30 Uhr eintreffen sollten. Währen der vorbereitenden Maßnahmen hat unser Team die direkt benachbarten Gebäude auf Strukturschäden untersucht und bis auf ein Gebäude ohne Einschränkungen zur weiteren Nutzung freigegeben. Das georderte Abbruchunternehmen traf nach Zeitplan ein und der Geräteführer wurde von unserm Baufachberater

auf die zu erwartende Arbeit eingestimmt: Langsames, weitgehend zerstörungsfreies Abtragen der aufeinanderliegenden Gebäudeteile war die wichtigste Aufgabe, um gegebenenfalls verschüttete Personen bergen zu können.


Mit Wetterbesserung war gegen 9.45 Uhr ein Polizeihubschrauber aufgestiegen, um sich ein Bild aus der Luft zu verschaffen, dieser konnte im Bereich des Obergeschosses vermutlich in der Badewanne eine Person identifizieren. Eine erste Erkundung unseres Baufachberaters sowie eines Kriminalbeamten des ohne Außenwand freistehenden Badezimmers in ausreichendem

Sicherheitsabstand zum Gebäude mittels Drehleiter der BF Ingolstadt bestätigte die durch die Hubschrauberbesatzung gemeldete Person in der Badewanne.

 

Nach erneuter Lagebesprechung auf Grund der neuen Erkenntnisse wurde eine von unserem Baufachberater vorgeschlagene Bergungsmethode vorbereitet.

Bei der Bergungsmethode handelte es sich um eine Bergung der Person nur mit technischem Gerät. Um den Anforderungen der Kriminalpolizei gerecht zu werden

wurde entschieden, die Person samt der Badewanne mittels Roto-Teleskopstapler zu bergen.

Nach Sperrung der Gesamtfläche im Einsichtbereich des zu bergenden Opfers sowie der Meldung, dass der Hubschrauber die gesamte Aktion aus der Luft dokumentiert, konnte gemeinsam mit einem Bergeräumgeräteführer des THW Ingolstadt und unserem Baufachberater die äußerst schwierige Bergung in angriff genommen werden.


Starke Nerven des Maschinenführers und natürlich auch ein entsprechendes Selbstvertrauen des Einweisers - unser Baufachberater - sowie die Zusammenarbeit mit Helfern des OV Ingolstadt und der BF Ingolstadt führten zu einem erfolgreichen Bergungseinsatz.


Nach Übergabe an die Kriminalpolizei konnte mit dem weiteren vorsichtigen Gebäudeabtragen sowie dem Ablöschen der noch vorhandenen Glutnester fortgefahren werden.

Nun galt es, nach weiteren Erkenntnissen der Umfeldbefragung durch die Kriminalpolizei sowie einer weiteren Meldung durch die Hundestaffel eine etwaige weitere Verschüttete

Person zu finden sowie den Zugang zum Gebäudekeller freizulegen.


Immer wieder mussten die schichtweise abgetragenen Gebäudeteile durch die Feuerwehr abgelöscht werden, beißender Geruch und Qualm, vorsichtiges Vortasten waren die Arbeit der nächsten Stunden.


Bis in die späten Abendstunden wurden Gebäudeteile vorsichtig freigelegt, erkundet und ohne Ergebnis freigegeben werden, der Verdacht auf eine weitere verschüttete Person bestätigte

sich Gott sei Dank nicht. Der Zugang zum Keller wurde freigelegt und zum begehen durch unseren Baufachberater freigegeben, die Gasleitung wurde nach Spurensicherung durch die Kriminalpolizei

innerhalb des Gebäudes durch die Stadtwerke stillgelegt und gesichert.

Das bereits am frühen morgen erkundete beschädigte Nachbargebäude wurde vom OV Ingolstadt noch mittels Baustützen gesichert, das Grundstück mit Bauzaun gesichert und abgesperrt.


Um 19.45 Uhr konnte unser Team nach einem langen und sehr aufreibenden Einsatz Richtung Unterkunft abrücken.

 

 

Bericht von

Erwin Dittenhauser (Ortsbeauftragter und Baufachberater)

mit Bildern von Tobias Pallmann (Fachberater)

 

 
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